Weihnachtsträume

»Nach einer Weile meinte er, nicht nur seine Schritte zu hören.«

Weiterlesen
Das Knirschen im Schnee schien sich zu vervielfältigen. Er wollte nicht ängstlich wirken und so verzichtete er für den Moment darauf, sich umzudrehen. Ganze fünf Minuten hielt er das aus, bis ihn das flaue Gefühl in seinem Magen zwang, über seine Schulter zu blicken. Ein Mann. Er lief ein ganzes Stück weiter hinter ihm auf der anderen Gehwegseite. Viel konnte er durch die Entfernung und Lichtverhältnisse nicht ausmachen, aber er war groß, dünn und hatte offenbar lange Haare. Dazu war er in einen langen, schwarzen Mantel gehüllt.

Amazon / Kindle Unlimited

Traumlos

»Er konnte sich noch ganz genau erinnern. Vier Monate waren vergangen und trotzdem war ihm dieser spezielle Tag genauso nahe wie der gestrige. Die Befragung durch die Polizei, seine Angst und die Wut, weil er ohne Auskunft gehen musste. All das hatte er vor Augen, während die Welt um ihn herum durch seine Tränen verschwamm.«

Weiterlesen
Er war kein gläubiger Mensch, aber damals hatte er zu allem gebetet, was ihm in den Sinn gekommen waren. Gott, Engel, Jesus, der Himmel – er war sich sicher, keinen ausgelassen zu haben. Er hatte für ihn gebetet und auch für sich selber. Für seine körperliche Gesundheit und die eigene geistige Gesundheit. In seiner Machtlosigkeit wollte er ganz sicher gehen, alles getan zu haben, was möglich war. Und trotzdem lag er nun hier. Verheult und seit Tagen nicht gewaschen. Wenn er keinen Urlaub gehabt hätte, wäre zu der Aufzählung inzwischen auch arbeitslos hinzugekommen. Es beunruhigte ihn am Rande, dass ihm dieser Gedanke nicht einmal unangenehm war. Ohnehin schien alles egal zu sein. Seit drei Tagen stand die Zeit für ihn still. Nichts war wichtiger oder präsenter als sein Verlust und der allumfassende Schmerz, den dieser auslöste.

Amazon / Kindle Unlimited