Leseprobe: Nur ein Spiel

Ich drehe mich von der Bar weg und sehe mich um. Die Tanzfläche des Anwesens ist gut besucht, die Andreaskreuze sind ebenfalls alle besetzt.
Ich stehe vorsichtig auf, um mich nicht auf die Fresse zu packen – die Welt um mich herum dreht sich leider –, und gehe näher zur offenen Ecke, in der Sklaven nach allen Regeln der Kunst von ihren Herren mit dem Flogger bearbeitet und ausgepeitscht werden. Mein Blick bleibt an Diego hängen. Er ist mir vorhin schon beim Reinkommen aufgefallen. Wie auch nicht, er ist groß, muskulös, einfach heiß und – ein Sub. Und heute ist so ein Tag, an dem ich verfluchen möchte, dass ich in allem nur mittelmäßig bin und mich nicht mal ein Sub ernst nimmt, der noch kleiner und dünner ist als ich.
Irgendetwas steigt in mir hoch und ich bin mir nicht sicher, ob es nur Wut oder auch Magensäfte sind, also behalte ich lieber alles drin. Stattdessen gehe ich näher zu Diego heran.
Sein Rücken ist rot, einige Striemen verfärben sich bereits blau. Doch er steht aufrecht an der Wand, ungefesselt, und nimmt jeden Schlag mit einer Selbstbeherrschung hin, die mir einen heiden Respekt einjagt. Der Mann ist eine Kategorie für sich. Aber als Kampfsportler hat er wahrscheinlich genügend Selbstkontrolle erlernt.
Weitere Schläge prasseln auf ihn ein. Die Muskeln arbeiten leicht, wann immer die Peitsche auf seinem Rücken niedergeht, aber er zuckt nicht, steht ganz still da.
Nur einmal diesen Kerl unter sich haben …
»Wusste nicht, dass du dich jetzt für solche Typen interessierst. Ich mag die Jungs eher schlanker und jünger.« Henni steht nun neben mir und leckt sich die Lippen. »Er ist nicht schlecht, aber es gibt doch bessere. Schau mal den Süßen da hinten an, der ist nachher frei und steht zufällig auf dich. Siehst du, er schaut schon wieder rüber. Lass dich von ihm verwöhnen und vergiss Julian. Der war doch von Anfang an ’nen Spinner.«
Ich mag Henni sonst sehr, aber heute nervt er nur. Und auf das Bürschchen