Nur ein Spiel
»Denis, ein junger, aber leidenschaftlicher Dom, stolpert von einer Beziehung in die nächste und nach der letzten liegt sein Selbstbewusstsein endgültig am Boden. Niemand scheint ihn ernst zu nehmen, weder als Partner noch als Dom. Dabei würde er sich das von einem ganz besonders wünschen: Karatekämpfer Diego.
Der Zufall will, dass sie sich in einer alkoholgetränkten Nacht plötzlich näherkommen. Aber ein Kampfsportler als Sub – kann das überhaupt gutgehen? Oder bleibt es nur bei einem Spiel?«

Das Buch umfasst in etwa 200 Normseiten.

Leseprobe

»Ich denke, es reicht langsam, Denis.«
Der Tadel nervt und überhaupt nervt alles. »Lass mich in Ruhe«, sage ich und kippe mir den Rest meines Drinks runter.
Henni seufzt nur und kümmert sich dann um seine anderen Gäste. Ist mir recht, so kann ich mir weiter Gedanken um meinen Sub machen. Ex-Sub. Wie mich das alles ankotzt!
Ich drehe mich von der Bar weg und sehe mich um. Die Tanzfläche des Anwesens ist gut besucht, die Andreaskreuze sind ebenfalls alle besetzt.
Ich stehe vorsichtig auf, um mich nicht auf die Fresse zu packen – die Welt um mich herum dreht sich leider –, und gehe näher zur offenen Ecke, in der Sklaven nach allen Regeln der Kunst von ihren Herren mit dem Flogger bearbeitet und ausgepeitscht werden. Mein Blick bleibt an Diego hängen. Er ist mir vorhin schon beim Reinkommen aufgefallen. Wie auch nicht, er ist groß, muskulös, einfach heiß und – ein Sub. Und heute ist so ein Tag, an dem ich verfluchen möchte, dass ich in allem nur mittelmäßig bin und mich nicht mal ein Sub ernst nimmt, der noch kleiner und dünner ist als ich.
Irgendetwas steigt in mir hoch und ich bin mir nicht sicher, ob es nur Wut oder auch Magensäfte sind, also behalte ich lieber alles drin. Stattdessen gehe ich näher zu Diego heran.
Sein Rücken ist rot, einige Striemen verfärben sich bereits blau. Doch er steht aufrecht an der Wand, ungefesselt, und nimmt jeden Schlag mit einer Selbstbeherrschung hin, die mir einen heiden Respekt einjagt. Der Mann ist eine Kategorie für sich. Aber als Kampfsportler hat er wahrscheinlich genügend Selbstkontrolle erlernt.
Weitere Schläge prasseln auf ihn ein. Die Muskeln arbeiten leicht, wann immer die Peitsche auf seinem Rücken niedergeht, aber er zuckt nicht, steht ganz still da.
Nur einmal diesen Kerl unter sich haben …
»Wusste nicht, dass du dich jetzt für solche Typen interessierst. Ich mag die Jungs eher schlanker und jünger.« Henni steht nun neben mir und leckt sich die Lippen. »Er ist nicht schlecht, aber es gibt doch bessere. Schau mal den Süßen da hinten an, der ist nachher frei und steht zufällig auf dich. Siehst du, er schaut schon wieder rüber. Lass dich von ihm verwöhnen und vergiss Julian. Der war doch von Anfang an ’nen Spinner.«
Ich mag Henni sonst sehr, aber heute nervt er nur. Und auf das Bürschchen habe ich erst recht keine Lust. »Ist der überhaupt achtzehn? Sieht aus, als könnte er noch bei seiner Mutter an der Brust hängen.«
Henni schnalzt missbilligend mit der Zunge. »Als ob ich hier jemanden reinlassen würde, der minderjährig ist.«
»Ich will noch was trinken.«
»Hör mal, Denis, ich kann mir vorstellen, wie schwer das gerade ist, aber lass dich jetzt nicht hängen. Was hast du davon, morgen völlig verkatert und vollgekotzt aufzuwachen?«
»Gar nichts. Aber ich habe auch nichts davon, es nicht zu tun. Also?« Henni sieht mich böse an. »Was? Ich bin zu Fuß und laufe nachher, bin keine Gefahr für andere.«
Er nuschelt etwas in seinen Bart, was sich verdächtig nach »aber für dich selbst« anhört, geht dann aber an die Bar zurück.
Immerhin einer, der noch tut, was ich verlange. Die Tatsache, dass er es widerstrebend und mit Widerworten tut und als Besitzer des Clubs Dienstleister ist, ignoriere ich vehement.
Mein Blick ruht erneut auf Diego. Perfekt wäre das Bild, wenn sein Schwanz steif wäre, doch das ist er selten. Zumindest bei den öffentlichen Spielen, an einem privaten mit ihm habe ich noch nie teilgenommen. Es ist ein kleiner Makel, der mich wieder zurück in die Wirklichkeit und an die Bar bringt.
Ich brauche nicht weiter über Diego nachdenken. Er ist nicht mein Typ und wir sind nicht in derselben Liga. Nicht einmal im selben Universum. Aber dafür gibt es ja den Alkohol. Und den brauche ich jetzt reichlich.


Der erste Wächter
»Seit der Tod seines Zwillingsbruders sein Leben aus den Angeln gehoben hat, ist Jahmez, erster Wächter von Vastar, vom Gedanken an Rache getrieben. Das Ziel scheint zum Greifen nahe, als das verfeindete Königreich ihm den jungen Kämpfer Seymon ausliefert. Doch dann erschüttert die Bedrohung eines bevorstehenden Krieges von ungeheurem Ausmaß ihr Land und Jahmez sieht sich gezwungen, Seymon zu heiraten – ausgerechnet den Mann, der für all sein Leid verantwortlich ist …«

Das Buch umfasst in etwa 560 Normseiten.

Leseprobe
Seymon strauchelte wieder. Der Wächter, den Jahmez nach einer ganzen Wegstrecke neben ihn geschickt hatte, hielt ihn weiter am Oberarm fest, verhinderte ein Hinfallen, bewegte ihn unnachgiebig weiter. Wie lange Seymon vorher am Stück gelaufen war?
Die Stipulî, die magisch vereinbarten Rechte und Pflichten, an die sie alle gebunden waren, hatten vorgesehen, dass er elf Tagwenden barfuß laufen sollte. Nur kurze Rastpausen waren Seymon dafür zugestanden worden. Die Fußsohlen waren mit Sicherheit lange blutig. Schmerzen hatte Jahmez in dem Gesicht nicht ablesen können, diese Fehltritte sprachen jedoch für sich.
Ein paar Meilen wollte Jahmez eigentlich noch hinter sich bringen. Die drei Tagwenden, die sie außerhalb der Landesgrenze und im Nutrâl Greûn verbringen mussten, würden heikel genug werden. Verzögerungen konnten sie sich nicht leisten. Er sah sich um. Die Bäume um sie herum standen jetzt dichter, links von ihnen bot das Grüne Gebirge Schutz. Er erinnerte sich, dass das Gelände voraus wieder offener wurde. Es konnte sich am Ende als hilfreich erweisen, an dieser Stelle zu nächtigen. Die Mulden im Gebirge boten einen nicht zu vernachlässigenden Schutz und der Wald wurde an dieser Stelle noch von Aswing Xaglos Leuten bewacht. Und dessen Reich stand Vastar immerhin nicht feindschaftlich gegenüber.
Es beunruhigte ihn dazu nicht wenig, dass sie einigen Wanderern begegnet waren. Oder Personen, die wie solche erscheinen wollten. So neutral, wie der Name der Gegend vermuten ließ, war sie nicht – und das war allgemein bekannt. Wer nicht dringende Geschäfte zu erledigen hatte, hielt sich hier nicht auf. Darüber hinaus blies ein unangenehmer Wind. Jahmez vermutete, dass der Wechsel zwischen der dritten und vierten Jahreszeit dieses Mal turbulenter sein würde. Er sah also keinen Grund, der diese Menschen erklären konnte. Keinen guten jedenfalls.
Schutz vor Wetter und Leuten zu suchen, konnte alles in allem notwendig sein. Wenigstens konnte er die Enge besser von seinen Leuten bewachen lassen.
Seymon stolperte erneut.
»Wir machen eine Pause«, rief Jahmez zu den Männern vor ihm. Am Ende war er einfach selbst zu egoistisch. Er wollte nicht, dass dieser Weg Seymons Kräfte raubte. Jahmez wollte, dass er derjenige war, der das verursachte – und es sollte um keinen Preis vorschnell enden. Nach und nach kamen alle zum Stehen und die Träger begannen, ein provisorisches Lager aufzubauen. Seine Hauptsorge betraf aber seinen Gast.
»Ich übernehme, geh dich stärken.«
»Danke, Emincé«, sagte Balog und überließ ihm das Seil, welches er als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme an Seymon befestigt hatte.
»Gibt es einen Grund für die frühe Rast, mî Suzeriâ?« Ein kurzes Luftholen, das von leichter Atemlosigkeit zeugen konnte. »Ich nahm an, wir würden bis zur Mondwende weitergehen. So hat man es mir gesagt.«
Jahmez schwieg und überlegte, ob er antworten sollte. Er hatte nicht vorgehabt, sich viel mit Seymon zu unterhalten. Er war verpflichtet, sich zusammenzureißen, bis sie wieder in Vescar waren. Aber wenn ihn dieser Mann in Gespräche verwickelte, konnte er für nichts garantieren. Er schluckte.
Seymon sah ihn indes nicht direkt an, sein Kopf war leicht gesenkt, der Blick auf den Boden eine Wenigkeit rechts von ihm gerichtet. Fast teilnahmslos. Es bestand trotzdem kein Zweifel daran, dass er auf eine Antwort wartete. Er forderte sie jedoch nicht ein.
»Barmherzigkeit ist es nicht, falls du das vermutet haben solltest. Oder gehofft. Und meine Entscheidungen stehen nicht zur Diskussion.«
Seymon blickte auf, wirkte überrascht. »Das nahm ich nicht an, nein. Verzeiht die Nachfrage, mî Suzeriâ.«
Jahmez ignorierte ihn und zog ihn stattdessen zu einem Felsstück, in welches zuvor Sicherungshaken eingeschlagen worden waren. »Setz dich hin.« Seymon tat, was er ihm befahl und ließ sich in einer nicht ganz flüssigen Bewegung auf die Erde sinken. »Ich warne dich ein einziges Mal, versuchst du zu fliehen, wird das nur zur Folge haben, dass dein Leiden am Ende verlängert wird. Verstanden?«
»Ich habe nicht vor, zu fliehen, mî Suzeriâ.«
»Ich habe gefragt, ob du mich verstanden hast.«
Seymon sah wieder auf und dieses Mal direkt in Jahmez’ Augen. Verwirrung spiegelte sich in dessen Miene wider. Vielleicht auch etwas anderes. »Ich habe Euch verstanden.« Er zögerte kurz. »Ich sicherte Euch zu, dass ich meinem Namen keine Schande bereiten werde. Flucht wäre ein Akt der Feigheit. Ich bin ein Mörder, ein Feind. Aber kein Feigling.«
Nein, das war er wohl nicht, das musste auch Jahmez zugeben. Auch, dass er sich in einer vergleichbaren Situation wahrscheinlich nicht selbst ausgeliefert hätte. Das Türkis in Seymons Augenfarbe schien sich zu intensivieren. Der Ausdruck in ihnen war jetzt unlesbar. War es das, was sein Bruder zuletzt gesehen hatte? Kalte Augen, die den Tod versprachen?

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!