Fünf Tage
Ich bin ihm ausgeliefert. Ich gehöre ihm. Einem Mann, der so undurchschaubar ist wie seine Absichten. Ich weiß nicht, was er mit mir tun wird. Und was es mit mir tun wird.
Nur eines scheint sicher: Diese fünf Tage werden mein Leben von Grund auf verändern …

Erotiknovelle, Umfang ca. 100 Taschenbuchseiten

Leseprobe
Noch während ich hier knie, ist Darius um mich herumgegangen. Wahrscheinlich mustert er mich jetzt mit seinen dunklen und kalten Augen. Abschätzend und darauf bedacht, keine meiner Regungen zu verpassen. Dass das nicht leicht werden würde, war mir von vornherein klargewesen. Darius ist gefährlich, doch nun ist er der Einzige, der darüber entscheidet, was mit mir passiert.
»Ich habe Dich etwas gefragt, Demas«, sagt er ungeduldig. »Ich erwarte eine Antwort!«
Er steht jetzt wieder vor mir und sieht von oben auf mich herab. Sein stechender Blick ist mir unangenehm, bohrt sich in meinen und scheint darin mehr zu lesen, als ich es mir leisten kann. Trotzdem ich ihm nicht ebenbürtig bin, liegt etwas Formelles in seinen Tonfall. Etwas Zwingendes, dem ich mich nicht entziehen kann.
»Ja, Mylord, die Zusammenfassung entspricht der Richtigkeit.«
»Und Du denkst, dass ich Dir das glaube?« Darius lächelt mich jetzt hintergründig an.
Ich zögere wieder, bin unsicher, was ich sagen soll. Natürlich hat er keinen Grund, mir zu glauben. Ich habe mich mit meiner Neugier in eine denkbar schlechte Situation manövriert. »Ich sage die Wahrheit«, erwidere ich trotzdem, doch meine Stimme zittert. Dabei ist es nicht die Lüge, die mich hemmt, sondern seine ganze Person, seine Ausstrahlung und die Art, wie er mich ansieht.
Er dreht sich von mir weg und geht einige Schritte in den Raum hinein. Seine Hände hat er hinter dem Rücken verschränkt. »Du wirst mir nachsehen müssen, dass ich Zweifel habe, Demas. Aber ich habe eine gute Nachricht für Dich.« Er dreht sich wieder um und ein breites, hartes Lächeln ziert sein Gesicht. Es besteht absolut kein Zweifel daran, dass seine gute Nachricht keine gute für mich sein wird.
Er sieht mich nur an, wartet auf eine Reaktion. Ich weiß nicht, was er von mir erwartet. Soll ich nachfragen? Dabei will ich es wirklich nicht wissen. Ich will raus aus dieser beklemmenden Situation. Mich vor seinem Blick verstecken und ganz kleinmachen. Aber eines ist mir klar: So erniedrigend es sich anfühlt, raus komme ich nur, wenn ich seinen Weg mitgehe. Ich muss etwas tun.
»Mylord?« Ein schwacher Versuch, aber ich ertrage diese Spannung nicht.
»Ach, mein lieber Demas.« Er schreitet auf mich zu. Bedacht und mit einer Eleganz, die ihn einzigartig macht. Er bleibt direkt vor mir stehen und legt seine Hand auf meinen Kopf, zerwühlt mein Haar, als sei ich ein ungehorsamer Schuljunge. Ob ich es will oder nicht, ich bekomme Gänsehaut.
»Ich mache Dir einen Vorschlag. Und ich bin mir fast sicher, dass Du zustimmen wirst.« Darius lässt mich zappeln. Wartet, bis ich zu ihm nach oben und direkt in seine Augen sehe. Er weidet sich an meiner Unsicherheit. »Deine Großeltern würden viel dafür bezahlen, um Dich wohlbehalten zurückzubekommen. Darum ist es nur fair, wenn ich etwas von Dir verlange, was diesen Preis ungefähr aufwiegt.«
Ich werde unruhig. Meine Großeltern würden mich Vierteilen, wenn sie mich hier herausholen müssten oder je davon Wind bekommen, dass ich hier war. Er kann sie nicht einbeziehen! Und was soll das heißen, aufwiegen? »Bitte, Mylord.« Das Zittern in meiner Stimme dürften jetzt auch die Wachen an der Tür gehört haben.
»Aber, aber, mein Lieber. Nicht so ängstlich.« Erneut liegt seine Hand auf meinem Kopf, streichelt ihn und drückt ihn leicht nach unten. »Ich habe nicht vor, Deine Großeltern einzuweihen. Ich weiß doch, wie wichtig ihnen Dein Ruf ist. Der perfekte Enkel und Erbe. Das möchte ich ihnen nicht kaputtmachen.« Die Ironie tropft geradezu aus seiner Stimme. »Nein, Du wirst mich so bezahlen, wie es mir zusteht. Du allein.«
Ich halte die Spannung kaum aus, jede Zelle in meinem Körper vibriert. Wie soll ich ihn bezahlen? Meine Mittel sind begrenzt. Da meine Großeltern jeden meiner Schritte überwachen, ist es ausgeschlossen, dass ich mehr als nur ein Stück Brot abgeben könnte.
»Kein Geld, Demas. Ich will Dich

Traumlos
»Du bist der stärkste Mensch, den ich kenne, aber ich habe Angst, dass du trotzdem zerbrochen bist.«

Wie macht man weiter, wenn alles in Trümmern liegt? Das ganze Leben nur ein Scherbenhaufen und jeder Traum zerplatzt ist? Wenn Mark sich einer Sache ganz sicher ist, dann der, dass Menschen in ihrem Leben an einen Punkt kommen können, an dem nichts mehr geht. An dem sie ihre Hülle abstreifen und aufhören, zu sein. Er weiß es.

Aber wie kann man jemandem helfen, wieder zu leben?

[Für ein besseres Leseverständnis ist es empfehlenswert, die Kurzgeschichte “Weihnachtsträume” gelesen zu haben, da Querverweise nicht gesondert erklärt werden.] Der Umfang entspricht ca. 150 Taschenbuchseiten.

Leseprobe
»Er konnte sich noch ganz genau erinnern. Drei Monate waren vergangen und trotzdem war ihm dieser spezielle Tag genauso nahe wie der gestrige. Die Befragung durch die Polizei, seine Angst und die Wut, weil er ohne Auskunft gehen musste. All das hatte er vor Augen, während die Welt um ihn herum hinter seinen Tränen verschwamm.
Mark war kein gläubiger Mensch, aber damals hatte er zu allem gebetet, was ihm in den Sinn gekommen waren. Er war sich sicher gewesen, nichts ausgelassen zu haben. Er hatte für ihn gebetet und auch für sich selbst. Für Toms körperliche und seine eigene geistige Gesundheit. In seiner Machtlosigkeit wollte er ganz sichergehen, alles getan zu haben, was möglich war.
Und trotzdem lag er nun hier. Verheult und seit Tagen nicht gewaschen. Wenn er keinen Urlaub gehabt hätte, wäre zu der Aufzählung inzwischen auch arbeitslos hinzugekommen. Es beunruhigte ihn nur am Rande, dass ihm dieser Gedanke nicht einmal unangenehm war. Ohnehin schien alles egal zu sein. Seit drei Tagen stand die Zeit für ihn still. Nichts war wichtiger oder präsenter als sein Verlust und der allumfassende Schmerz, den dieser auslöste.
Neue Tränen rannen über Marks Gesicht. Wenn das so weiterging, musste er wohl doch ein neues T-Shirt anziehen, immerhin war es nun von Rotz und Tränen nassgeheult. Nicht sprichwörtlich, sondern tatsächlich.
Nass. Seine Sachen waren auch ganz nass gewesen. Toms. Nass und steif gefroren, genau wie der Mann selbst. Er wusste, dass es ein Fehler war, die Dezembernacht jetzt noch einmal zu durchleben, aber ihm war, als könnte er Tom nur so noch einen Moment festhalten. Ihn einen Augenblick länger wahr sein lassen. Denn er würde nie wieder wahr sein.
Es schüttelte Mark und plötzlich war ihm speiübel. Er sprang vom Sofa auf und rannte ins Bad. Weil sich die Badtür durch den Stapel liegen gebliebener Wäsche nicht einfach öffnen ließ, rammte er sich die Klinke in die Rippen, ehe er es gerade noch bis zum Waschbecken schaffte. Alles, was er die letzten Tage angesammelt hatte, schien sich jetzt einen Weg in die Freiheit zu bahnen. Die Wut, der Ärger, die Trauer – er konnte nichts mehr in sich behalten. Wie lange er so hing und sich die Seele aus dem Leib kotzte, konnte er nicht sagen. Aber am Ende lag er völlig erschöpft auf dem Boden und kühlte seine Rippen und sein aufgedunsenes Gesicht an den kalten Fliesen.
So konnte es nicht weitergehen. Er wusste, dass er diesem Zustand schnellstmöglich entkommen musste. Es hatte ein Leben vor Tom gegeben und dieses konnte er wieder leben. Er musste es nur härter probieren. Seine Eltern waren ohnehin schon sauer auf ihn, weil er sie mit seinen Gefühlen belästigt hatte.
»Ein Mann heult nicht!«, hatte sein Vater gesagt und damit jeden weiteren Gesprächsversuch abgewürgt.
Vermutlich hatte er recht und Mark benahm sich wieder zu emotional. Das war einer seiner größten Fehler. Er sah es ein. In Situationen wie diesen konnte er nicht einfach weitermachen, sondern jammerte wie ein Mädchen und kotzte obendrein. Wenn er noch bei seinen Eltern wohnen würde, hätte er vielleicht sogar eine Tracht Prügel kassiert, trotzdem er schon 23 war. So würde er schweigen und natürlich nie wieder seinen Eltern mit seiner Winselei die Zeit stehlen.
Vorsichtig stützte er sich hoch. Einen Moment lang musste er auf allen vieren verharren, denn sein Kreislauf war am Boden geblieben, und hatte Schwierigkeiten, mit ihm nach oben zu kommen. Mark zog sich schließlich am Waschbecken hoch, ignorierte das Stechen in seiner linken Seite und gab seinen wackeligen Beinen die Chance, sein Körpergewicht wieder zu tragen. Den Blick in den Spiegel schenkte er sich, er wusste auch ohne, dass er beschissen aussah. Das kalte Wasser tat ihm aber gut. Seine Übelkeit war noch nicht ganz verschwunden, doch eine Tasse Tee würde bestimmt helfen, ihn zu beruhigen.
Auf dem Weg in die Küche wäre er beinahe gestolpert. Der Anblick seiner Jacke – der Jacke, die er Tom gegeben hatte – war beinahe zu viel. Warum war es nur so schwer, warum konnte er sich nicht einfach zusammenreißen und weitermachen?
Er nahm die Jacke und drückte sie sich ins Gesicht. Er wusste, dass es schäbig und kindisch war, aber es war harmlos. Der Mann, der darin eingewickelt gewesen war, wusste nicht, dass er jetzt seine Tränen und seinen Rotz hineinschmierte und den letzten Geruch von ihm einzuatmen versuchte. Tom würde es nie erfahren, denn er war gegangen. Traurigerweise musste Mark feststellen, dass er nichts riechen konnte, seine Nase war durch seine Weinkrämpfe so verstopft, dass es unmöglich war, auch nur einen winzigen Rest zu erschnuppern. Es erschütterte ihn zutiefst und sorgte dafür, dass er zu sich kam.
Er war weg. Endgültig weg. Und Mark fühlte sich leer und verloren. Und schuldig. Die Fragen nagten an ihm. Hätte er mehr tun können? Tom hatte immerhin über ihm gewohnt. Dass er die Räumung nicht mitbekommen hatte, konnte er sich bis heute nicht erklären. Er hatte viele Nachtschichten gehabt, aber trotzdem hätte ihm auffallen müssen, dass die Blumengardine abgenommen worden war. Er hätte nachfragen müssen, ihn suchen müssen. Aber er hatte nichts dergleichen getan. Und danach war alles zu spät gewesen.
Langsam ließ er die Jacke sinken, legte sie zurück auf den Flurschrank und ging mit wackeligen Beinen in die Küche. Sein Teeautomat erledigte den Rest für ihn. So albern und unnütz er für ihn sonst war, heute war er Gold wert. Mark bezweifelte, dass er ohne ihn den gesamten Teeaufbrühprozess hinbekommen hätte. Dabei beruhigte ihn der sonst. Doch selbst dieses einfach Ritual hätte ihm Erinnerungen aufgezwungen, denen er sich noch nicht stellen konnte.
Nachdem sein grüner Tee trinkfertig durchgelaufen war, setzte er sich an den Tisch und starrte in seine Tasse. Er konnte sich viel vormachen, aber dass er Toms Spuren in seinem Leben auslöschen und weitermachen konnte, als wäre nichts gewesen, war einfach nicht möglich! Sie waren sich begegnet und sie waren miteinander verbunden. Seit dem Moment, in dem Tom damals seinen Kopf gedreht und ihn angesehen hatte. Mark musste nur die Augen schließen und saß wieder neben ihm. Er konnte den leichten Schimmer in Toms Augen sehen. Er war so weit weg gewesen, aber da waren diese Tiefe und die verborgene Kraft. Sein Lächeln hatte Mark fast den Rest gegeben und beinahe wäre er gegen einen Baum gefahren. Er hatte gewusst, dass Tom kaum eine Chance haben würde. Er hatte dazu anscheinend seinen Frieden mit Allem gemacht. Nur er, Mark, hatte sich geweigert, das hinzunehmen. Und er hatte aus seiner kleinen Rostlaube alles herausgeholt, obwohl sein Automechaniker ihn vor jeglichen Überbelastungen von Rosi gewarnt hatte. Ganz zu schweigen davon, dass Mark damals Gefahr gelaufen war, mit seinem Fahrverhalten einer Polizeistreife aufzufallen. Aber Weihnachten durften wohl auch die meisten Polizisten mit ihren Familien verbringen. Zumindest bis ein Krankenhaus sie wegen eines sterbenden Mannes herbeizitierte.
Er seufzte. Würde es besser werden? Würde das flaue Gefühl im Magen verschwinden? Die Appetitlosigkeit vergehen? Die Schuldgefühle ruhen? Würde er je jemanden finden, mit dem er über all das reden konnte, ohne sich zu schämen? Würde ihn je wieder jemand so berühren wie Tom und sein Schicksal? Er hatte Angst davor, nach Antworten auf diese Fragen zu suchen, denn er spürte, dass sie in etwas mündeten, das ihm nicht gefallen konnten. Wo war nur der Weg raus aus diesem Albtraum?
Es klingelte. Und es konnte nicht bedeutungsloser für ihn sein. Gestern hatte es ebenfalls geklingelt, gekümmert hatte ihn das aber auch nicht. Das Hobby seiner Nachbarin Frau Summon bestand immerhin darin, ein Warenlager in ihrer Wohnung einzurichten. Anders konnte er sich die vielen Paketlieferungen jedenfalls nicht erklären. Selbstredend war sie nie zu Hause, wenn eine Lieferung kam. Aber was kümmerte es ihn? Er wurde von ihr nicht als Postbox bezahlt, auch wenn er sich bereits wie eine fühlte.
Es klingelte erneut. War wohl ein sehr verzweifelter Paketbote. Mark hatte gehört, dass manche nur nach Auslieferung pro Paket bezahlt wurden. Vielleicht sollte er doch rangehen und sein schlechtes Gewissen beruhigen. Kontakt zur Außenwelt konnte überdies auch nicht schaden. Er erhob sich schwerfällig und ging zur Tür.
»Ja? Hoffmann.«
Mark brauchte einige Sekunden, ehe er begriff, dass es oben an der Wohnungstür und nicht unten an der Haustür geklingelt hatte. Er war echt völlig fertig mit der Welt. Es klopfte nun zaghaft und nachdem er den Hörer der Gegensprechanlage eingehängt hatte, öffnete er die Tür.
Als er den Besucher erblickte, wusste er, dass ihn nichts in der Welt darauf hätte vorbereiten können, was er gerade sah.«